En la Flamenco
Wie Ihr seht, befasst sich unser Projekt 2008 mit dem Thema, eine traditionelle Flamencogitarre zu bauen. Es sind numehr zwei Jahre vergangen, seit unser letztes Projekt der 10-saitigen Gitarre Formen angenommen hat. Zeit ist wie immer sehr knapp bemessen, deswegen ist es umso schöner, das doch noch die Gedanken jetzt auch in Holz umgesetzt werden.
Alle die sich jetzt fragen "Flamencogitarre? Wo ist der Unterschied und was ist überhaupt Flamenco?" hier mal ein kurzer Überblick:
Flamenco ist eine Musikform, die ihren Ursprung in Andalusien, Spanien fand und dort von herumziehenden Zigeunern ( "fellah mengu", d.h. Bauer ohne Erde) als quasi Volksmusik praktizert wurde. Um so richtig loszulegen braucht man damals wie heute den "Cante" (Gesang), "Baile" (Tanz), und "Toque" (Gitarre). Der "Gitano" ist der melodische Mittelpunkt, er begleitet und soliert gleichermaßen und bringt seine persönlichen "Falsetas" (Melodien) ein. Alles bewegt sich im Rahmen der "Compas", einem genau festgelegtem Takteschema der verschiedenen Flamencotanzarten (Bulerias, Alegrias, Zapateado, etc.).
Da diese Bevölkerungsschicht weder angesehen noch reich war, waren auch die Instrumente nicht aus den teuersten Hölzern, dafür aber mit hoher Handwerkskunst gebaut und ausgearbeitet. Heutzutage kosten allerdings die damals "billigen" Hölzer wie Zypresse mindestens genausoviel wie ein sehr guter Palisander.
Also liegt der Unterschied hauptsächlich in der Holzauswahl und der Mensur (Griffbrettlänge, Abstand der Bünde zueinander). Grob gibt es zwei Arten von Flamencogitarren, Die "Blanca" und die "Negra". Unser Projekt befasst sich mit der Blanca-Variante, d.h. Boden und Zargen aus Zypresse (die riecht gut aber Martin sagt die stinkt), Decke aus Fichte. Einzig die Mechaniken werden von der klassischen Gitarre übernommen, denn die traditionellen Steckholzwirbel sind echt nervig beim stimmen und bringen mehr Nachteile als Nutzen. Es werden übrigens zwei Stück gebaut, eine für Martin selber und eine für mich hehe...
Tja, die Hölzer sind ausgesucht und zu meiner freudigen Überraschung legt Martin ein ganz schönes Tempo an den Tag. Die Decken und Böden sind ausgeschnitten und teils schon ausgearbeitet, die Beleistung klebt auch schon und obwohl schönes Wetter ist, hat er sich am Wochenende über den Hals gemacht (siehe Bilder).
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Zwei weitere Wochen sind vergangen und auch die Flamenco-Gitarre wächst weiter. Hier und da wird kräftig gehobelt und gefeilt. Die Zargen, ebenfalls aus Zypresse werden unter hohem Einsatz von Martin in die richtige Form gebogen. Damals wie heute wird das per Hand erledigt, das Holz wird angefeuchtet und dann an einem früher Holzofenrohr jetzt mit Strom langsam verformt bis das gewünschte Ergebnis zu sehen ist. Ach ja und gesund ist es auch noch, denn Zypresse, ein Nadelbaum, enthält ätherische Öle, die unter anderem desinfizierend, fiebersenkend, wundheilend und schweißtreibend sind. Naja das mit dem "schweißtreibend" sieht man ja!
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Und auch dieses Wochende stand wieder ganz im Zeichen der Flamenco Blanca. Nach einigen Komplikationen mit der Bearbeitung des Kopfes, hat doch mal wieder länger gedauert als geplant, und einer eingehenden Beratung mit Pizza beim örtlichen Italiener steht die endgültige Kopfform fest. Ganz im andalusischem Stil drohnt ein Stieremblem auf der Kopfplatte. Schlicht und trotzdem schön ist auch der Mittelstreifen aus Zypresse. Ziel ist es eine Gitarre ganz in Schwarz-Weiß-Optik aufzubauen. Der Hals bedarf noch einiger Nachbearbeitung, das Profil werden wir genau anpassen, auch der Kopf ist noch nicht ganz fertig.
Während Martin sich auf das Schablonenbauen für die Deckenwölbung konzentriert mache ich mich schon mal daran das Schalllochlogo zu entwerfen. Tja noch viel zu tun und bestimmt noch ne Menge Spaß dabei!
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Die Decke wird ausgearbeitet und bekommt eine spezielle Beleistung (es sei darauf hingewiesen das die Fotos nicht der entgültigen Beleistung entsprechen, die wurden im letzten Moment dank einer genialen Idee von Martin geändert). Nun die ganze Sache zusammenschachteln und die Randeinlagen mit spitzen Wickeltechnik einkleben.

Es geht weiter. Die Gitarre steht in ihrer Rohform und ist bereit ein wenig Farbe abzubekommen. Traditionell wird mit Nitro-Lack lackiert zu welchem typisch spanisch rote Farbpigmente beigemischt werden. Als Grundierung zwecks der gelblichen Farbe verwenden wir Schellack. Das heißt also eine Schicht Schellack, zwei Schichten rot pigmentierten Nitro und zum Schluss nochmal farblosen Nitro-Lack. Zwischendurch immer wieder schleifen und fertig ist die superschöne rötliche Färbung (übrigens war der Werkstatt-Stuhl Modell gestanden für die Farbe, hehe).
Die letzten Arbeitsschritte gestalten sich nicht ganz so kompliziert denkt man, Steg aufleimen Bünde abrichten und polieren...aha und schon ein neues Problem. Nitro wird beim polieren mit der Maschine warm...zu warm... und lässt sich abziehen, also alles per Hand und Öl abreiben und feinschleifen, typisch traditionell halt.
Das Ergebniss kann sich sehen lassen und vor allem hört es sich saugut an. Die Decke ist wirklich butterweich und es ist sehr ungewohnt auf solch einem leichten Instrument zu spielen. Jetzt aber schnell nach Hause und ausgiebig testen, wenn Martin aus dem Urlaub zurückkommt wird berichtet!
Hier unten seht ihr die hohe Kunst des Syncron-sitzen-und-Gitarre-spielen, übrigens auf ein und demselbem Instrument denn es wurde wegen zeitlicher Probleme doch nur eine Gitarre gebaut. Die jedoch perfekt, wie man es halt gewohnt ist von Herrn Bretscher!

